Aktuelle Schreibwaren frisch aus der Tastatur

Wie Profis mit Zähneputzen Profit machen.

Sensitiv

Auf einer Zahncreme-Tube aus dem Supermarkt habe ich die Worte „Professional Care“ gefunden. Das ist eigentlich nicht außergewöhnlich. Auf fast jedem Produkt, das wir so benutzen, steht irgendwas drauf, was keiner liest. In diesem Fall habe ich die Worte aber bewusst wahrgenommen und im Geiste den Texter gegrüßt, der das geschrieben hat. Dabei ist mir eine Frage in den Sinn gekommen, die man solchen Texten lieber nicht stellen sollte: Was will uns der Hersteller über das Produkt mitteilen? Was bedeutet das, was darauf steht?“

Professional Care“ kann man mit „professionelle Pflege“ oder „berufliche Pflege“ übersetzen. Wenn ich professionelle Pflege höre, denke ich sofort an die Pflegeversicherung und an Frauen im besten Alter, die in Kleinwagen mit putzigen Aufschriften unterwegs sind, um alte Leute im Takt des Minutenzeigers zu pflegen. Ist es das, was uns die Tube sagen will? „Diese Zahncreme pflegt Dich nicht wie ein liebender Angehöriger, sondern wie eine Krankenschwester, die Dir morgens um Fünf ein Thermometer in eine Körperöffnung steckt. Lerne leiden, ohne zu klagen, denn Du bekommst hier professionelle Pflege und keine zusätzliche Streicheleinheit, die wir nicht berechnen können!“

Oder sind hier Zahnputzprofis gemeint, die für Geld fremder Leute Zähne putzen? Es gibt ja spezielle Haarpflegeserien, die ihre überhöhten Preise damit begründen, dass auch im Frisiersalon diese Marke benutzt wird. Ist das also die Zahncreme, zu der die Zahnpfleger im Zahnputzsalon greifen? Glaubt denn wirklich jemand, dass die Profis, wenn es solche Salons denn gäbe, wirklich das No-Name-Zeug aus dem Supermarkt nehmen würden?

Vielleicht ja doch. Immerhin bekommt man in Restaurants der verschiedensten Preisklassen, wenn man zum Kaffee etwas Süßstoff verlangt, eine Dose „Süßlis“ von ALDI kredenzt. Also wäre für diesen Discounter-Süßstoff die Aufschrift „Professional Sweetener“ durchaus korrekt.

Ich glaube, jetzt habe ich’s verstanden. Die Zahncreme und ihr Hersteller möchten mir sagen, dass ich das Produkt nicht selbst benutzen soll, wenn ich höhere Ansprüche habe. Wenn ich aber als Dienstleister anderer Leute Zähne putze, kann ich mit diesem Zeug den einen oder anderen Euro sparen, das erhöht den Gewinn. Nur darum geht es uns Professionals doch, oder?

14. November 2013

Platt? Finde ich platt!

So ganz kann ich das nicht verstehen: Hamburg betont doch immer wieder, wie stolz man darauf ist, eine Weltstadt zu sein. Bei uns wohnen Menschen aus der ganzen Welt, wichtige Unternehmen haben hier ihre Europazentrale und Jahr für Jahr kommen mehr Touristen in die schönste Stadt der Welt. Aber was will uns der örtliche Verkehrsverbund damit sagen, dass er seit Jahren Werbung auf Plattdeutsch macht? Diese Sprache sprechen nicht einmal mehr alle Hamburger, und wenn, dann wohl eher die aussterbenden älteren Jahrgänge. Die Zugereisten verstehen nichts und fühlen sich ausgeschlossen. Damit lässt der HVV gefühlt die Hälfte seiner Zielgruppe links liegen. Muss ich das verstehen?

Jetzt macht auch die lokale Zeitung ganz ähnlichen Blödsinn. In deren Werbung liest man, dass echte Hamburger eben ihr Blättchen bevorzugen. Echte Hamburger? Dazu gibt’s dann Bilder von Menschen im Hafen und so. Wäre es nicht viel wichtiger, die Neuhamburger zu begrüßen und ihnen zu vermitteln, wozu sie ein Lokalblättchen brauchen?

Diese beiden Plakatserien finde ich einfach peinlich. Für mich sind sie völlig unhanseatisch. Ich fühle mich so wohl in dieser Stadt, weil sie Fremde willkommen heißt – bin ja selber einer.

27. September 2013

Süße Träume zwischen Bücherregalen.

Originelle Marketing Ideen. Erste Folge.

Alles muss zum Event und damit zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Diese Grundregel des zeitgenössischen Marketings gilt natürlich auch für den Buchmarkt. Nächtliche Feste zum Erscheinungsdatum des jeweils neuesten Harry Potter Bandes haben wir noch zu gut in Erinnerung. Oder auch: In Edinburgh kann man in einem geführten Rundgang die Schauplätze besichtigen, die in den Krimis von Ian Rankin eine Rolle spielen. Das sind natürlich vor allem natürlich die Pubs, in denen Inspector Rebus zu trinken pflegte, um seine grauen Zellen in Bewegung zu bringen. So werden Bücher und ihr Inhalt zu „Erlebnis zum Anfassen“, wie einfallslose Texter das zuweilen nennen.

In einer norddeutschen Kleinstadt habe ich jetzt eine Idee gesehen, die nicht nur das Buch, sondern vor allem den Buchladen zum Event macht. Dort kann man nämlich zwischen den Regalen im Verkaufsraum übernachten. Der Spaß kostet ungefähr so viel wie sechs Taschenbücher. Für das Geld bauen fleißige Buchhändlerinnen ein Bett auf und verhängen die Schaufenster, so dass Passanten keine störenden Blicke in den Laden werfen können. Dann wird man als Einzelperson oder als Paar allein gelassen und kann tun, was man schon immer nachts im Buchladen tun wollte. Zum Beispiel lesen. Oder schlafen. Oder sich in bibliophilen Liebesspielen ergehen. Ich persönlich würde ja in einigen wenigen Bücher kleine Zettel mit geheimen Botschaften verstecken.

Am nächsten Morgen genießen die Übernachtungsgäste ein Frühstück in einem nahegelegenen Café, das im Preis inbegriffen ist. So wird die Nacht zwischen Buchrücken zu einem Erlebnis, das jeden Bücherfreund in Neid versetzt. Wobei echte Fans der heutigen Serienmörderbücher vielleicht eine Nacht im Metzgerladen noch aufregender finden würden.

PS: Ich habe das Angebot nicht verlinkt, aber man findet es relativ einfach, wenn man hier klickt.

06. September 2013

Selbstmord.

Ein Name, der das Selbstverständnis der Fahrradkuriere ernst nimmt? Gesehen in Hamburg St. Pauli.

02. November 2012

Produkte aus der Region.

Der Trend, Produkte aus der Region zu bevorzugen, scheint sich vom Gemüse zu emanzipieren. Die Berlinerin wie die Berlin-Touristin bevorzugen Erzeugnisse aus einheimischen Nähmaschinen.

20. Oktober 2012

Kindermode.

Wetten, dass dieser Name vielen Eltern ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert? Aber ob das trendgerecht ist, darüber lässt sich streiten.

04. Oktober 2012

Das Kneipengedicht.

Die ganzen coolen Restaurants mit ihren pastellfarbenen Wänden sehen oft ziemlich gleich aus. Da sorgt eine solche Botschaft für Abwechslung und verspricht Gemütlichkeit. Ich frage mich nur: Ist das der Einfall eines Mitarbeiters oder das kühl kalkulierte Konzept des Innenarchitekten?

19. September 2012